Hey Veganer, Weidefleisch ist tier- und umweltfreundlicher.

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Heutzutage gibt es kaum noch eine Veganismus-Diskussion in der nicht irgendwer Weidefleisch erwähnt. Das Argument besteht dabei grob aus bis zu drei Teilen. Zum Einen wird Weidehaltung als tierfreundlicher als Massentierhaltung gesehen, was in der Regel schon so ist, wenn man in “Töten” und “freundlich sein” jetzt keinen Widerspruch sieht.
Dann wird argumentiert, dass Weidehaltung nachhaltiger und umweltfreundlicher ist als der Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel.
Und es wird behauptet, dass durch den Anbau von Pflanzen auf dem Acker angeblich mehr Tiere wie beispielsweise Mäuse vom Mähdrescher getötet werden als bei der Produktion von Weidefleisch.

Leider ist es richtig, dass man nicht leben kann, ohne Schaden anzurichten. Und auch so manche pflanzlichen Lebensmittel sind diesbezüglich ziemlich übel. Aber statt zu versuchen, dann so wenig Schaden wie möglich anzurichten, sehen viele Menschen das als ein Argument dafür, dass man also beliebig Schaden anrichten kann und dass das alles das gleiche ist und das Veganismus eh Blödsinn ist, weil man ohnehin niemals 100% perfekt sein kann. Immerhin basiert das das Weidefleischargument augenscheinlich erst mal nicht nicht auf dieser Prämisse und es dreht sich um die Frage, womit tatsächlich weniger Schaden angerichtet wird. Sicherlich wird in den seltensten Fällen ergebnisoffen zu Diskussion gestellt, ob das denn wirklich so ist. Sondern das Argument soll zeigen, dass Fleischkonsum die ethisch und ökologisch bessere Ernährung darstellt als der Veganismus -oder zumindest keine schlechtere. Und vielen scheint es dabei auch zu reichen, dass ethisch überlegenes Weidefleisch existiert oder existieren könnte um das mehr oder weniger unbewusst aufs Fleischessen allgemein zu übertragen und um dann weiter weitgehend BELIEBIGE Tierprodukte zu konsumieren.
Zunächst muss man sagen, dass man diese Behauptung so sicher und kategorisch nicht treffen kann. Natürlich werden leider beispielsweise auch beim Anbau von Getreide Tiere getötet. Und es nicht unmöglich, dass ein super schonend produziertes Bio-Weide-Tierprodukt weniger Schaden anrichtet, als ein konventionell produziertes pflanzliches, wie etwa in drei Schichten Alu und Plastik verpacktes Flugobst das um die halbe Welt geschickt wurde. Und oft wird ja in der Argumentation davon ausgegangen, dass Veganer eh fast nur sowas essen und man selbst eben nur das viel bessere regionale Weidefleisch. Viel redlicher wäre es aber, würde man dieses auch mit entsprechenden Produkten wie handgepflückte regionale Äpfel von Streuobstwiesen vergleichen, wo es dann schon wieder anders aussieht. Und wenn es tatsächlich um Leidverminderung ginge, würde man dann dieses Obst dem Rind vorziehen.

In der Praxis ist Veganismus nahezu immer die bessere Option. Ob das in diesen nur begrenzt möglichen Sonderfällen aber dann wirklich mal anders ist, ist anhand der unklaren Datenlage jedoch alles andere als so eindeutig, wie es in gewissen hartnäckigen Artikeln oft sehr reißerisch behauptet wird. Es kann unter gewissen Umständen durchaus so sein. Es sprechen allerdings auch eine ganze Reihe von Faktoren dagegen:

Die meisten Rinder die von Gründland gefüttert werden, stehen gar nicht direkt auf der Weide und wenn dann nur einen Teil des Jahres. Sie bekommen daher riesige Mengen gemähtes Gras oder Heu.
Ein Rind frisst knapp 23kg Heu oder etwa 130kg frisches Gras pro Tag. Das sind also enorme Mengen, die mit dem Mähdrescher geerntet werden.
Dazu kommt noch Stroh, mit dem oft die Ställe ausgelegt werden.
Zudem müsste man an Tierprodukten praktisch ausschließlich Weidefleisch und Weidemilch konsumieren. Fast alle anderen Tierprodukte sind um ein vielfaches schädlicher und würden die Gesamtbilanz ganz schnell wieder umkehren wenn man ansonsten nicht praktisch vegan leben würde.

Man wird ja meist schon genervt und ratlos angesehen, wenn man in der Gastro oder beim Einkaufen nach etwas veganem fragt. Versucht mal ausdrücklich -fast egal wo -grasgefüttertes Weidefleisch zu verlangen und konsequent auch nichts anderes zu essen.
Viele Weiden wurden auch erst durch die Zerstörung bestehender Ökosysteme wie beispielsweise der Rodung von Wäldern geschaffen wodurch ebenfalls Schaden an Tieren verursacht wurde. Außerdem werden auch Raubtiere wie Wölfe getötet um die Weidetiere zu schützen. Auch sowas muss man mit einrechnen.

Die Nutzung als Weideland funktioniert zudem auch nur, wenn die Tiere das auch vertragen. Die heutigen Turbo-Hochleistungsrinder können nämlich oft gar nicht mehr von Gras allein oder ein paar Steppengewächsen leben, und würden ohne das Zufüttern von Kraftfutter aufgrund ihres hochgezüchteten Stoffwechsels krepieren. Selbst bei den besten Biokühen besteht die Nahrung zu einem nicht unerheblichen Teil aus Kraftfutter. Dadurch ist selbst bei vermeintlicher Weidehaltung meist noch der Anbau von Kraftfutter auf Ackerflächen nötig, wodurch dort also auch das verursacht wird, was man Veganern vorwirft. -zusätzlich dann noch zum Töten der Rinder.
Die alten Rassen, die mit Gras allein auskommen, bringen dann aber viel geringere Erträge als ihre überzüchteten Nachfahren. Auch die Leistung von Milchkühen sinkt bei Weidehaltung. Um gleich viel Milch zu erzeugen, müsste man den Bestand vergrößern, was zu erhöhten Umweltschäden führen würde.
Denn auch durch die allgemeinen Umweltauswirkungen der Weidehaltungen kommen noch diverse indirekte und längerfristige Schäden an Umwelt und Lebewesen hinzu. Entgegen seinem Ruf hat Weidefleisch viel gravierendere Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima als die allermeisten pflanzlichen Lebensmittel.

Man produziert jedenfalls nicht Fleisch für 7,5 Milliarden Menschen, indem man ein paar glückliche Kühe auf irgendwelche Bergwiesen stellt. Der aktuelle “Bedarf” an tierischen Produkten ist ohne Massenhaltung gar nicht zu decken. Sollte man durch Zufall zu der privilegierten Elite gehören, die wirklich nur Weidefleisch beziehen, dann funktioniert das global gesehen nur, weil man davon profitiert, dass die allermeisten der anderen Fleischesser das nicht tun und Fleisch aus Intensivtierhaltung essen.
Hinzu kommt, dass von den 60 kg Fleisch die ein Deutscher pro Jahr konsumiert, nur etwa 10kg Rindfleisch sind. Mit dem Weidefleischargument überhöht man einen Teilaspekt und blendet den Großteil von dem was wir wirklich essen aus.
Umgerechnet stammen gerade einmal 8 % des Fleisches und 12 % der Milch von Tieren aus der Weidehaltung – das ist im Verhältnis zum Flächenbedarf der Weidehaltung ein sehr geringer Anteil. Von ca. 750 Mio jährlich in Deutschland geschlachteten Tieren sind 620 Mio Hühner und 60 Mio Schweine. Das sind alles keine Weidetiere.
Das zellulosehaltige Gras kann nun mal nur von Wiederkäuern effizient verwertet werden. Schweine können mit Gras nur sehr begrenzt etwas anfangen, Gänse, Enten oder Puten praktisch gar nichts. -was wohl auch der Grund dafür ist, warum man so schwer an Weideeier rankommt. Diese Tiere bekommen jedenfalls vorwiegend hochwertiges Soja, Mais und Getreide, was alles nicht auf Weideland wächst, sondern auf denselben Ackerflächen, auf denen man ansonsten Gemüse und Getreide anbauen könnte.
Von Wiederkäuern von denen auch nur ein geringer Teil Weiderinder sind, werden in Deutschland jedes Jahr knapp 4 Mio geschlachtet. Das ist zwar auch noch eine tragische Zahl. In Relation zu den riesigen dafür geopferten Flächen und den damit verbundenen Umweltschäden ist dieses Ergebnis aber ziemlich katastrophal.

Dass es besser ist, glückliche Tiere zu töten, ist zwar eine fragwürdige Überzeugung. Aber im Allgemeinen wird es Rindern auf der Weide natürlich besser gehen als etwa in Anbindehaltung auf Spaltenböden. Viele Menschen setzen allerdings intuitiv das, was sie für artgerecht und tierfreundlich halten, mit nachhaltig und umweltverträglich gleich. Häufig ist aber das Gegenteil der Fall. Fleisch vom Weiderind ist oft sogar umweltschädlicher als das aus der Intensivmast. Weiderinder wachsen langsamer und brauchen länger, bis sie schlachtreif sind.
Zum einen, weil sie sie sich mehr bewegen als Stalltiere und zum anderen, weil sie weniger Kraftfutter und stattdessen mehr nährstoffarmes Gras bekommen. Statt 15 Monate dauert das mehr als 20, was dazu führt, dass mehrere Monate zusätzlich Treibhausgase produzieren, darunter vor allem Methan. Das entsteht, durch anaerobe Gärungen, also wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut. Ein Hausrind stößt davon täglich etwa 150 bis 250 Liter aus. Wenn Rinder Gras fressen, verdauen sie das im Gegensatz zu Getreide viel stärker mit Hilfe von Bakterien, wodurch viel mehr Methan entsteht. Im Vergleich zu einem konventionellen Rind, welches mit Getreide gefüttert wird, produziert ein Bio-Weiderind dadurch die vierfache Menge an Methan, welches um ein vielfaches klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. )In geringenen Mengen entsteht zudem auch noch das NOCH viel klimaschädlicheres Lachgas.) Hinzu kommt, dass man davon ausgeht, dass dieser Methan-Ausstoß bis 2050 durchschnittlich um weitere 4,5 Prozent steigen könnte, da infolge des Klimawandels der Nährwert vieler Futterpflanzen sinken wird. Dieser ist in wärmeren Gegenden meist geringer. Die Rinder müssen daher mehr davon fressen, verdauen länger und erzeugen dadurch noch mehr Methan, welches für eine weitere Erwärmung sorgt. Das ist also wieder mal ein Teufelskreis.

Nur 24 % des Rindfleisches stammen weltweit aus Weidehaltung und DAVON nur ca. 7 % aus extensiver Haltung, also aus einer schonenden Bewirtschaftung von Äckern und Weiden, bei der nur wenige Tiere auf großer Fläche existieren und wovon viele Tier- und Pflanzenarten profitieren. Intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen können hingegen sehr umweltschädlich sein: Sie können Biotope stören, Böden und Grundwasser belasten und die Ökologie von Gewässern mit dem Eintrag von Stickstoff und Phosphor schädigen. Eutrophierung nennt man das. Es kommt zu Überweidung und Bodenverdichtung oder Verschlämmung durch zu hohe Besatzdichten beziehungsweise durch das Weiden lassen auf feuchten Böden. In Europa zeigen bereits 45 Prozent der Böden Qualitätsverluste.
Ein Großteil der Tierprodukte entsteht durch die sehr INTENSIVE Nutzung von Dauergrünland und durch die Nutzung von Ackerflächen, auf denen man auch pflanzliche Nahrungsmittel produzieren könnte. Tendenz steigend.

Gras in Fleisch zu konvertieren verursacht immense Emissionen an Treibhausgasen. Und auch im Hinblick auf Versauerung oder Überdüngung ist die Produktion tierischer Lebensmittel sehr viel schädlicher. Der Großteil der Agrarflächen wird für Rinderfutter verwendet. Aber nur 1,34% unserer weltweiten Kalorien stammen aus Rindfleisch.
Mit Nachhaltigkeit hat das alles wenig zu tun, denn gerade der Klimawandel ist so ziemlich das teuerste und größte Problem unserer Zeit. Und auch wenn Veganismus alleine die Welt nicht rettet, würde eine pflanzliche Ernährung ein gutes Stück dazu beitragen, diese Bedrohung abzuschwächen.
Und wenn es wirklich um die Verminderung Tierleid gehen sollte, dann sucht man nicht nach dem vermeintlich tierfreundlichsten Fleisch sondern nach dem tierfeundlichsten Nahrungsmittel. Und das ist dann kein Fleisch.

Hey Veganer, auf vielen Agrarflächen kann man nur Viehfutter anbauen.

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Für die Herstellung von Tierprodukten braucht man in den meisten Fällen ein vielfaches an Pflanzen als Futter und dementsprechend automatisch auch ein vielfaches an Ressourcen. Dem wird manchmal entgegnet, dass es aber Flächen gibt, auf denen nicht viel mehr als Gras wächst und die daher kaum für den Anbau menschlicher Nahrungsmittel geeignet und sind und die deshalb nur mit

mit der Produktion von Tierfutter nutzbar gemacht werden können. Und das ist auch erstmal nicht falsch. Das ist sogar der überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Man spricht dabei meist von Grünland. Das ist vom Menschen geprägtes Grasland welches beispielsweise als Weiden oder Mähwiesen genutzt wird.

In der Praxis bringt das aber eine ganze Reihe Nachteile und Probleme mit sich, selbst wenn man das unnötige Töten von Tieren nicht dazu zählen sollte. Und tatsächlich ist es auch global gesehen sogar viel eher ein Argument GEGEN die Tierhaltung.

Zur Rechtfertigung des deutschen Fleischkonsums ist dieses Argument zunächst schon mal gar nicht geeignet. Denn abgesehen von Hochweiden im Hochland ist das in Deutschland genutzte Weideland fast nur anthropogenes Grünland. 90% des deutschen Grünlands ist nicht natürlichen Ursprungs und bestand vorher mal aus wertvollen, artenreichen Biotopen wie Mooren und Wäldern, die im Gegensatz zur Beweidung der Flächen positiv auf das Klima wirkten und die nicht zuletzt aufgrund des hohen Flächenverbrauches der heutigen „Nutztierhaltung” überhaupt erst verschwanden. Man hat sogenannte Primärwälder gerodet um sie landwirtschaftlich zu nutzen. – mit üblen Folgen fürs Klima durch Kohlenstofffreisetzung und die schädlichen Treibhausgase aus der Tierhaltung.

Grünland ist zwar ökologisch wertvoller als Ackerflächen und ermöglicht eine weit höhere Artenvielfalt und kann deshalb auch erhaltenswert sein. Aber es ist viel ungünstiger als Wälder und Moore.

Wenn man argumentiert, dass man dort auf diesen Flächen nur Weidewirtschaft betreiben könnte, lässt man dabei aber völlig außer Acht, wie man diese Flächen stattdessen viel besser nutzen könnte:

gar nicht!

-also außer als Kohlenstoffspeicher und für Artenvielfalt und Biodiversität und zur Sauerstoffproduktion und so. Aber das schmeckt ja alles nicht und bringt kein Geld. Wenn man diese Flächen sich selbst überlässt oder etwas nachhilft, werden mittelfristig wieder ursprüngliche Wälder entstehen, die auch weit größere Kohlenstoffsenken darstellen.

Das Argument, dass da nichts anderes wächst, stimmt hierzulande in den meisten Fällen nicht. Man lässt nur nichts wachsen, weil man Tierhaltung betreiben will. Würde man keine Tierproduktion betreiben, wären diese Weideflächen überhaupt nicht notwendig. Und obwohl man dann natürlich mehr menschliche Nahrung auf Ackerflächen anbauen müsste, würde sich durch den Wegfall der Kraftfutterproduktion der globale Gesamtbedarf an Ackerflächen sogar verringern.

Zwar ist das alles sehr komplex und heterogen und die Situation ist nicht überall die gleiche wie etwa im deutschsprachigen Raum und es gibt Gegenden wo das komplizierter ist. Aber die Nutzbarmachung von Flächen mittels Futterproduktion ist wahnsinnig ineffizient und ökologisch katastrophal. Obwohl Tierprodukte die auf solchen Flächen produziert werden nur einen sehr geringen Anteil zur globalen Ernährung beitragen, belegen sie unvorstellbare Landflächen. 25,7% der gesamten Landfläche der Erde sind Grünland das fast nur als Mähwiesen, Streuwiesen oder Weiden verwendet wird  . – nicht 25,7% der Agrarflächen… 25,7%  der gesamten Landfläche der Erde.

 

Hey Veganer, für euch muss man viel mehr Pflanzen anbauen!

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Geschichtsstunde:
Während des Ersten Weltkriegs war die Seeblockade des Deutschen Reichs durch die Briten der Grund dafür, dass auch in Ländern wie dem neutralen Dänemark keine Nahrungsmittel mehr per Schiff angelandet werden konnten. Ab 1917 war man gezwungen, Nahrungsmittel zu rationieren.
Daher wurde angeordnet, den Schweinebestand um 80 Prozent und die Zahl der Milchkühe um ein Drittel zu reduzieren. Außerdem wurde die Gemüse- und Obstproduktion gefördert. Durch diese Maßnahmen konnte man eine ausreichende Ernährung der dänischen Bevölkerung sicherstellen und im Gegensatz zu den anderen von der Blockade betroffenen Ländern gab es dadurch in Dänemark keine Hungersnöte und Epidemien. Dadurch dass WENIGER Tierprodukte produziert wurden, standen insgesamt MEHR Lebensmittel zur Verfügung. Oder von der anderen Seite betrachtet: Dadurch dass man MEHR Pflanzen anbaute, wurde weniger AnbauFLÄCHE benötigt. Das mag erst mal paradox klingen, weshalb wohl Veganern gegenüber so oft argumentiert wird, dass man ihretwegen mehr Pflanzen anbauen müsste und dadurch Monokulturen fördert und die Umwelt stärker belastet -oder dass auch gar nicht genug Anbaufläche für Pflanzen zur Verfügung stehen würde, wenn alle Menschen vegan würden.
Dabei ist aber das Gegenteil der Fall. Dass das so paradox klingt, liegt wohl auch daran, dass wir viel kritischer auf das schauen, was die anderen tun und nicht wirklich kritisch auf das was wir selbst tun. Man schaut auf das, was für die Produktion veganer Lebensmittel vermeintlich zusätzlich benötigt wird und nicht wirklich darauf, was für die eigene Nahrung nötig ist. Die ist halt einfach “schon da”.
Aber jedes Lebewesen braucht Nahrung zur Aufrechterhaltung der grundlegenden Lebensfunktionen, Tiere speziell für Bewegungsenergie und gegebenenfalls Körperwärme und darüber hinaus natürlich auch für den Aufbau von Körpermasse wie etwa der Muskeln, welche wir ja zu essen gedenken. Für die Herstellung von Tierprodukten braucht man dementsprechend Tierfutter. Und zwar viel. Für die Produktion von Fleisch benötigt man je nach Art und Haltungsform zwischen der 4-fachen und der 57-fachen Menge an Pflanzenkalorien. Und diese müssen natürlich auch irgendwo her kommen. Im Schnitt verbraucht man für die Herstellung einer tierlichen Kalorie etwa 7 pflanzliche Kalorien. Und diese stammen zu erheblichen Teilen aus Pflanzen wie etwa Soja, welches als eiweißreiches Kraftfutter verwendet wird. Etwa 85% der gesamten Weltsojaernte werden als Tierfutter verwendet. Man bekommt aber nicht nur weniger Fleisch heraus als man Soja reingesteckt hat. Fleisch enthält dann pro Kilo auch nur etwa halb so viel Eiweiß wie Soja. Und Soja kann von Menschen direkt verzehrt werden. Aber stattdessen wirft man solche Lebensmittel Tieren vor, um unter einem Energieverlust von bis zu 97% Fleisch daraus zu produzieren. Das ist vermutlich der schlechteste Zaubertrick der Welt: Aus 100 Kilo Nahrung macht man drei und einen Riesenhaufen Sch-

Natürlich wäre nicht alles davon direkt für Menschen essbar, denn man verfüttert auch sogenanntes Raufutter, welches nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist und welches oft auch nicht auf Ackerflächen wächst, wo man stattdessen Menschennahrung anbauen könnte.
Aber von einem Rind „erhält“ man, nachdem man es die hierzulande üblichen 60 Wochen lang gemästet hat, rund 300 kg essbares Fleisch. Nur hat man dafür neben den den durchschnittlich 6900 kg Raufutter auch etwa 1200 kg Kraftfutter verbraucht, welches viel Ackerfläche belegt. Allein die Menge des Kraftfutters beträgt also ein Vielfaches von dem, was man am Ende als Fleisch heraus bekommt.
Und man benötigt dafür etwa einen halben Hektar Land. Auf einer Ackerfläche dieser Größe hätte man während dieser Zeit stattdessen etwa 2.000 kg Getreide oder 15.000 kg Kartoffeln produzieren können! Gras kann aber ohnehin fast nur von Wiederkäuern wie vor allem Rindern verwertet werden. Diese sind jedoch ökologisch besonders schädlich, vor allem auch, weil sie große Mengen klimaschädliches Methan ausstoßen.
Ein Kilogramm brasilianisches Rindfleisch verursacht beispielsweise etwa so viele Treibhausgasemissionen wie eine Fahrt von 1600 Kilometern in einem Mittelklassewagen und es gehört damit zu den umweltschädlichsten Fleischsorten. Die umweltverträglichste Sorte ist regionales Geflügelfleisch. Dennoch sind pflanzliche Produkte mit hohem Proteingehalt, wie beispielsweise Tofu und Tempeh in der Klimabilanz im Schnitt noch einmal um den Faktor zwei oder drei besser als dieses Fleisch. Selbst das Fleisch mit den geringsten Umweltauswirkungen verursacht immer noch mehr Umweltschäden als das am wenigsten nachhaltige Getreide oder Gemüse.
Und im Vergleich mit der ökologisch schädlichsten Sorte Sojamilch benötigt selbst die ökologisch beste Kuhmilch viel mehr Land und sie produziert mehr Treibhausgase und verursacht mehr Bodenversauerung und mehr Gewässerschäden.

Viele Weideflächen oder Flächen für den Anbau von Futtermitteln werden durch großflächige Rodung von Waldgebieten überhaupt erst geschaffen.
Dadurch werden weitere Treibhausgase freigesetzt. Und auch das nicht realisierte CO2-Speicherpotenzial muss man bei der Berechnung der Emissionen beachten. Denn landwirtschaftlich genutzte Flächen binden weit weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre als die natürliche Vegetation.
Mit der Abholzung und Degradierung von Wäldern zerstört man daher auch potenzielle Kohlenstoffsenken, also Reservoirs, die Treibhausgase aufnehmen.
Und die Landwwirtschaft ist für 18 % der globalen Emissionen verantwortlich – Haupttreiber ist dabei die Produktion von tierischen Lebensmitteln. In Brasilien sind Schätzungen zufolge sogar 61% der Gesamtemissionen darauf zurückzuführen. Zudem ist der Verlust solcher unberührten Ökosysteme die Hauptursache für das Artensterben. 70 % des ehemaligen Amazonas-Regenwaldes sind inzwischen nur noch Dauergrünland. Und auch davon ist ein ein Fünftel durch die direkten Folgen der Nutztierhaltung bereits von Degradierung betroffen.

Weltweit gehen von den Emissionen in der Landwirtschaft mindestens 60% auf die Produktion tierischer Lebensmittel zurück. Je mehr Fleisch konsumiert wird, umso intensiver muss die Landwirtschaft sein und umso schwieriger ist etwa der Erhalt von Waldflächen. Mehr als die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Würden wir unseren Fleischkonsum um 80% reduzieren, würden nicht nur in Deutschland Flächen frei. Allein in Brasilien würden 1,3 Millionen Hektar zurückgewonnen, wodurch wir den Regenwald und die Artenvielfalt schützen würden. Sehr viel Tierfutter wird nämlich importiert, denn Flächenbedürfnisse werden heute aufgrund der Globalisierung im Wesentlichen exportiert. Das heißt, dass durch unser Konsumverhalten riesige Flächen im Ausland belegt werden.
Etwa 40 % der gesamten weltweiten Getreideproduktion wird verfüttert, um tierische Lebensmittel zu produzieren. Tendenz steigend. An die Schlachttiere Amerikas wird jährlich mehr Getreide verfüttert, als die Bevölkerung von Indien und China zusammengenommen zur Ernährung braucht. Das ist zwar oft Futtergetreide, welches nicht gut für Menschen taugt. Aber auch das muss ja angebaut werden und beansprucht dementsprechend Ackerfläche. Und auf der hätte man in den meisten Fällen ebenso gut backfähiges Getreide oder andere Feldfrüchte als direkte menschliche Nahrung anbauen können. Daneben werden auch Sonnenblumen- und Rapskuchen, Zuckerrüben, Weizenkleie, Leguminosen und Mais verfüttert. Gerade auch für Mais braucht man einen bedeutenden Teil der Agrarflächen, was dazu beiträgt, dass die europäische Landwirtschaft mehr Flächen braucht als vorhanden sind und dass deshalb Futtermittelimporte nötig sind. Die Herstellung tierischer Produkte in Deutschland belegt im Ausland eine Fläche von 2,7 Millionen Hektar, was ungefähr der Fläche von Brandenburg entspricht. Aus Südamerika importieren wir pro Jahr 4,6 Millionen Tonnen Sojamehl und beanspruchen dort eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern.
Die Herstellung von Tierprodukten belegt 78,5% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche
und ein Drittel der Ackerflächen. Darüber hinaus verbraucht die Landwirtschaft aber auch Energie und andere Ressourcen. Etwa die Hälfte der jährlich in Deutschland ausgebrachten 43.000 Tonnen Pestizide geht auf den Anbau von Futtermitteln zurück.
Im Gegensatz dazu sind aber nicht mal 18% unserer aufgenommenen Kalorien bzw. 37% unserer aufgenommenen Proteine tierischen Ursprungs!
Unsere Nutztiere verbrauchen mehr essbares Protein als sie produzieren. Aus 77 Millionen Tonnen verfüttertem Protein bekommt man nur 58 Millionen Tonnen Protein in Form von Tierprodukten heraus. Im Bezug auf Kalorien ist der Verlust noch viel höher.
Die Viehhaltung entzieht der Nahrungsmittelbereitstellung also mehr als sie zu dieser beiträgt oder anders gesagt: Sie verbraucht mehr, als sie produziert. Wenn alle Menschen sich vegan ernährten, würde man die Menge der global benötigten landwirtschaftlichen Nutzflächen um 75% reduzieren.
Das entspricht einer Fläche von den USA, der EU, China und Australien zusammengenommen.
Davon SIND zwar große Teile Weideland welches sich nicht als Ackerfläche eignet.
Dieses könnte dann allerdings als unbewirtschaftete Natur erhalten werden. Aber auch der Bedarf von Ackerflächen würden sich um 19% reduzieren.

Die Rechnung geht also nicht auf. Und alles was man Veganern hinsichtlich Umweltschädigung aufgrund von vermeintlich höherem Pflanzenanbau vorwirft, gilt für Fleisch also automatisch um so stärker oder gar um ein vielfaches, da man für die Produktion von Fleisch eben erst mal eine viel größere Menge Pflanzen produzieren muss.
Das wirft die Frage auf: Wie geht man nun damit um, wenn man den Veganismus mit dieser Begründung ablehnt, diese sich jedoch als Argument FÜR den Veganismus und als vielfach stärkeres Argument gegen die EIGENE Lebensweise herausstellt?

Hey Veganer, ich esse auch nur ganz wenig Fleisch! (vom Metzger meines Vertrauens)

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Viele Menschen erklären ja, dass ihnen das mit dem Veganismus zu aufwändig ist, weil man immer drauf achten muss, was man isst. Dabei scheinen sie das doch ohnehin schon zu tun. Denn wenn man vegan wird, ist meist das erste was man -ohne je gefragt zu haben- erfährt, dass nahezu alle anderen Menschen auch nur ganz wenig Fleisch essen und darauf achten, wo es her kommt und dementsprechend nur beim Fleischer ihres Vertrauens kaufen, wo sie sicher sein können, dass es den Tieren gut ging. Und natürlich zahlen sie für gutes Fleisch auch gern etwas mehr -was auch interessant ist, denn über vegane Produkte wird regelmäßig gesagt, dass sie zu teuer seien.

Jedenfalls kann man sich sicher sein, dass beim Thema Veganismus von ganz vielen Menschen sofort reflexhaft klargestellt wird, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen. -also außer jetzt vielleicht mal bisschen Wurst oder Aufschnitt… oder Sachen die auf der Pizza und in Fertiggerichten sind und sowas… oder halt mal ein Leberwurstbrötchen zwischendurch. Oder wenn mal im Restaurant isst… oder bei Freunden… oder zu Veranstaltungen… oder unterwegs mal einen Döner, oder eine Currywurst -oder jetzt in der Kantine auf Arbeit. Da gibt’s ja meistens auch keine vegane Option. Das wäre ja auch Missionierung und Nahrungsdiktatur wenn wir mal ehrlich sind. Da isst man halt mal das Schnitzel. Das besteht eh zur Hälfte aus Brot. Und es muss ja auch nicht immer was mit Fleisch sein. Spaghetti Bolognese ist schließlich auch lecker… da ist nur bisschen Hack drin. Oder man isst statt Fleisch einfach mal etwas Geflügel. Das ist ja eher eine Art Salat. Oder einfach mal Fisch essen. Fische sind ja Kaltblüter -so ähnlich wie Gemüse. Und ab und zu nimmt man halt auch ausnahmsweise mal beim Lidl ein paar Bouletten und ein paar Wiener mit, wenn man da eh schon mal vorbei kommt …

Natürlich gibt es auch Menschen die tatsächlich wenig Tierprodukte essen. Und wenn sie das noch weiter einschränken wollen, dann ist das ja schon mal ein guter Ansatz den man unterstützen sollte. Aber die bloße Anwesenheit eines Veganers veranlasst so viele Menschen dazu, sofort ausdrücklich zu betonen, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen -und auch nur vom ominösen Metzger des Vertrauens oder vom Onkel mit dem Bauernhof, dass das statistisch einfach überhaupt nicht stimmen kann.

Interessant ist dabei zunächst mal auch schon die häufige Formulierung: „AUCH nur ganz wenig Fleisch.“ Damit solidarisiert man sich ja schon mal mit der Ansicht, dass weniger Fleischkonsum besser ist. Ganz wenig ist offenbar das Beste. Aber gar kein Fleischkonsum ist dann auch wieder extrem.
Die richtige Menge Fleisch -auch bekannt als „nur ganz wenig“ ist dann in der Regel gerade die Menge, die man selbst zu konsumieren glaubt. Alles andere ist zu viel oder zu extrem.
Menschen vergleichen sich und ihre Handlungen ja gern. Speziell auch, wenn sie sich für etwas rechtfertigen wollen. Wenn es jemanden gibt, der es schlechter macht, wirkt das eigene Handeln schon besser. In diesem Fall sind das dann also gedankenlose Massentierhaltungsfleischesser die beim Discounter kaufen, also die anderen -und die, die gar keine Tierprodukte essen, also die extremen Veganer.

Aber wenn Menschen Veganern erklären, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen, dann liegt das in der Regel auch daran, dass sie auf einer gewissen Ebene Tierquälerei und unnötiges Töten eigentlich ablehnen Jedoch handeln sie an gewissen Stellen nicht wirklich danach und versuchen deshalb mehr oder weniger unbewusst, diese Handlungen irgendwie zu rechtfertigen und zu erharmlosen.

Die Behauptung, auch nur ganz wenig Fleisch zu essen, kommt dann ähnlich reflexhaft, wie etwa auch die Aussage, dass Veganer auch keine besseren Menschen sind. Und sie hängt auch damit zusammen. Veganer wollen in erster Linie Tierleid verhindern. Wenn man also gegen den Veganismus argumentiert, findet man sich schnell auf einer Seite wieder auf der man unnötige Gewalt, Leidverursachung und Tötung für egoistische Motive rechtfertigt, was keine besonders angenehme Situation ist, weil es nicht zu dem positiven Bild passt, welches man gern von sich selbst haben möchte. Deshalb versucht man zu relativieren -auch sich selbst gegenüber. Wir Menschen sind leider enorm gut darin uns selbst was vorzumachen. Und wenn wir an Fleisch denken, dann denken wir im Wesentlichen an rohes unverarbeitetes Fleisch das man beim Fleischer kauft und selbst zubereitet. Und das tun die meisten Menschen anteilig tatsächlich nur selten. Der oft viel größere Anteil des Fleisches das man isst, wird meist nicht wirklich als Fleisch wahrgenommen, wenn es nicht gerade als fettes Steak auf dem Grill liegt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass wir aus fühlenden Lebewesen Produkte machen, bei denen so etwas wie charakter, Persönlichkeit, Bedürfnisse, Interessen und Emotionen ausgemerzt wurden.
Der Durchschnittsdeutsche isst 60 Kilo Fleisch im Jahr. 15 Kilo Fisch noch nicht mitgerechnet. Rechnet man Vegetarier und Veganer raus, sind das pro Fleischesser natürlich noch mehr. Selbst die nicht gerade veganerfreundliche und recht konservative Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 15-30kg im Jahr. Der Deutsche isst also im Schnitt ungefähr das Dreifache der Empfehlung. Und bei der Empfehlung geht es noch nicht mal um Ethik und Umweltschutz sondern nur um Mengen die gerade noch gesund sind.

Manche Menschen argumentieren zumindest, dass man ja Biofleisch kaufen KÖNNTE, ohne zu behaupten, dass sie das tun. Es wird nicht gemacht, aber allein die Aussage dass es theoretisch vermeintlich ginge oder irgendwer das irgendwo vielleicht wirklich so macht, oder die Vorstellung dass es irgendwo ein glückliches Schwein gibt, das aber trotzdem gern sterben will, reicht in der Regel schon für die eigene Rechtfertigung. Wir Menschen beurteilen andere meist nach ihren Taten und uns selbst nach unseren Absichten.

Aber der Unterschied zwischen Bio und konventioneller Haltung ist in den meisten Fällen ohnehin nicht groß und der größte Nutzen von Bio-Fleisch-Labeln oder Tierwohlsiegeln ist die Beruhigung des Verbrauchergewissens. Der größte Teil von Bio-Tierprodukten stammt jedenfalls auch aus Intensivtierhaltung. Bio ist nämlich nicht das Gegenteil von Intensivtierhaltung sondern kann auch eine Form davon sein. Aber auch bei bio kommt Fleisch immer von empfindungsfähigen Lebewesen, die fast alle auf Höchstleistung gezüchtet wurden, von ihren Familienmitgliedern getrennt, in ihrem Bewegungsverhalten und ihren Bedürfnissen eingeschränkt und meist noch im Kindsalter geschlachtet werden. Der Marktanteil von Freilandhaltung ist gering und hat meist auch wenig mit idyllischer, bäuerlicher Romantik zu tun, so wie uns die Werbung das gern präsentiert.

Am Leid für die Tiere, der Belastung der Umwelt, der Verschwendung von Ressourcen und den Gefahren von Zoonosen und Antibiotikaresistenzen ändert sich im Allgemeinen sehr wenig.
Biofleisch hat einen Marktanteil von nicht mal 2% und 9% der Bio-Umsätze laufen über „Händler des Vertrauens“, also über Wochenmärkte, Hofläden oder Metzgereien.
Wenn man diese Zahlen mal grob zusammenrechnet und annimmt, dass die 9% bio auch auf Fleisch zutreffen, dann sind von den 1,2 Kilo Fleisch, die der Deutsche in der Woche isst, gerade mal 25 Gramm Biofleisch. Und davon stammen dann 2,25% aus vermeintlich „Vertrauenswürdigen Quellen“.
Konsequent nur Tierprodukte aus solcher Haltung zu konsumieren wäre in den meisten Fällen viel schwieriger (und teurer) als vegan zu leben.

Aber wodurch verdienen Metzger eigentlich dieses vielzitierte Vertrauen? Weil es immer gut geschmeckt hat oder weil sie freundlich sind? In der Regel wird man einfach mal annehmen, dass es den Tieren beim angeblichen Vertrauensfleischer besser ging als anderswo, weil es bequemer ist.
Wenn man wirklich so über das erworbene Fleisch Bescheid wüsste, müsste man eine ganze Reihe von Fragen beantworten können:
Wo kommt das Fleisch denn genau her? Wie wurde das Tier gehalten? War es männlich oder weiblich? Wie alt war es? Stand das Tier auf der Weide? Wenn ja: Wie oft und wie lange? Wenn nein, warum nicht? Wurde zugefüttert, und wenn, dann was und in welcher Menge? Woher kommt das Futter für die Tiere, wie wurde es angebaut, wurden Spritzmittel verwendet wenn ja: welche? Wurde Medikamente verabreicht? Welche? Wann? Wieviel? Warum? Welche Nebenwirkungen hat das Medikament? Wie viele Tieren haben mit dem einen Tier eine Box geteilt? Gab es Rückzugsmöglichkeiten und wenn ja, welche? Wie weit war der Transport zum Schlachthaus? Wie lange musste das Tier im Schlachthaus warten? In welchem Schlachthaus wurde das Tier getötet? Wie wurde das Tier getötet? Sind beim Töten Fehler oder Aussergewöhnlichkeiten aufgetreten? Wenn so, welche? Und so weiter…
Es ist wohl recht unwahrscheinlich, dass es viele Menschen gibt, die diese Fragen ihrem Metzger schon mal gestellt haben. Und ob dieser die dann alle wahrheitsgemäß beantwortet oder beantworten kann, ist auch noch mal ein anderer Aspekt. Zumal ja beispielsweise in der Wurst meist mehr als ein Tier verarbeitet wurde. Und man würde den Fleischern mit solchen Fragen mehr auf die Nerven gehen, als jeder Veganer das könnte.
Sicherlich kann und sollte man ähnliche Fragen auch bei anderen Produkten stellen. Aber es ist schon interessant, dass man so ein außergewöhnliches Vertrauensverhältnis sonst wohl keinen anderen Händlern zu finden scheint.
Die Welt wäre vermutlich ein besserer Ort wenn alle Menschen einander so vertrauen würden, wie angeblich denen, die für uns Tiere töten.

Hey Veganer, Jedem das Seine!

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Wenn Menschen nicht weiter über eine Thematik nachdenken wollen, nutzen sie gern mal Sprichwörter anstelle von Argumenten. Oftmals passiert es dann auch, dass diese aus einem völlig anderen Kontext gelöst und unpassend verwendet werden. Ein besonders verbreitetes Beispiel dafür ist „Jedem das Seine“. Als Veganer hört man das besonders oft.

Dieser Spruch wird meist so verstanden und verwendet, dass jeder das Recht auf eigene Ansichten, Vorlieben und Handlungsweisen haben solle – und dass andere, die diese nicht teilen, sich daran nicht stören oder Kritik üben sollten. Das klingt – oberflächlich betrachtet – erst mal vernünftig und betont tolerant. Leider ist das als derartig allgemeine Forderung ohne weitere Konkretisierungen ein problematischer Spruch, da man damit beispielsweise durchaus auch berechtigte Kritik an schädlichen Handlungen als „intolerant“ darstellen kann.

„Jedem das Seine“ ist als Spruch zudem auch problematisch da er sehr vorbelastet ist. Denn er wurde schon von den Nazis für ihre Zwecke verwendet und am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald von innen lesbar angebracht. Er richtete sich also an die Insassen und wurde dort in der Bedeutung „Jedem, was er verdient“ verwendet. Nun ist Spruch deswegen noch nicht grundsätzlich abzulehnen aber vor diesem diesem Hintergrund ist die Gedankenlosigkeit, mit der er verwendet wird durchaus heikel. Und es zeigt, wie solche Aussagen verzerrt, instrumentalisiert und sinnentfremdet werden können. Denn vor allem entspricht diese Verwendung auch kaum noch der ursprünglichen Bedeutung im antiken Griechenland.

Bei „Jedem das Seine“ ging es zwar auch um Verteilungsgerechtigkeit. Aber vor allem meinte Platon damit, dass jeder für eine gerechte und harmonische Gesellschaft das tun solle, was seinem Wesen, seinen Möglichkeiten und seinen Umständen entspricht. Jeder sollte das tun, was ihm am meisten liegt um zu helfen. Es ging nicht darum, dass jeder rücksichtslos tun und lassen und nehmen können soll, was er gerade möchte.

Wenn man nun aber „Jedem das Seine“ auf das Fleischessen anwendet, versucht man damit quasi das Gegenteil zu rechtfertigen. Man rechtfertigt damit, dass man ANDEREN Lebewesen das IHRE NIMMT: Ihre Freiheit, ihre Unversehrt, ihre Nachkommen, ihr Leben -und man beansprucht das für SICH. Oft hört man nämlich auch die Formulierung „mein Fleisch“ und impliziert damit, dass einem die gewaltsam entrissenen Körperteile von Tieren zustehen. Man rechtfertigt damit also praktisch das komplette Gegenteil von dem, was die Aussage eigentlich bedeutete und maskiert das mit diesem Sinnspruch als Toleranz.

Tatsächlich gehörte dieses Fleisch aber anderen Lebewesen mit eigenen Emotionen, Interessen und Bedürfnissen. Wenn man „jedem das seine“ wirklich aufrichtig meinen sollte, und damit nicht nur meint „Fleisch für mich!“ müsste man den Tieren auch ihr Leben lassen.

Waldi süßsauer auf Reis

Mahlzeit miteinander. Diesen Monat ist es wieder soweit: Im chinesischen Yulin findet, wie jedes Jahr seit 2009, das als Hundefleisch-Festival bekannte Stadtfest statt, bei dem es eben im Wesentlichen um Hundefleisch geht. Und Deutschland reagiert darauf traditionell mit dem „Empör-Festival“, einer online ausgetragen Wettkampf-Veranstaltung, welche sich unter ambitionierten Entrüstern großer Beliebtheit erfreut.

Berichten zufolge sieht es aber so aus, dass es auf dem Stadtfest dieses Jahr aus Hygienegründen doch kein Hundefleisch geben wird. Das sorgt für Panik bei den Nachrichtenmagazinen. Hatte man sich doch schon die guten Substantive zurechtgelegt: Schande, Entsetzen, Grauen, Horror… Also macht man halt aus den Berichten vom letzten Jahr noch mal was. Unter diesen Berichten empört man sich das schon mal warm -oder geradezu heiß.

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Hey Veganer, jeder soll essen, was er will!

Transkript

Es gibt ja eine Reihe von Begründungen mit denen Fleischesser die vegane Ernährung kritisieren.

Angeblich zerstört die den Regenwald, sie vernichtet Arbeitsplätze, sie belastet das Gesundheitssystem, und so weiter.

Auch kritisieren sich Fleischesser ja untereinander und beklagen mehr oder weniger indirekt immer, dass die anderen -im Gegensatz zu einem selbst- immer zu viel Fleisch essen, zu billiges kaufen und die Massentierhaltung unterstützen. -oder dass sie das falsche Fleisch essen -also  zu Beispiel Hundefleisch statt Schweinefleisch, wie normale Menschen.

Und trotzdem wird auf Kritik am Fleischkonsum regelmäßig mit dem Mantra geantwortet, dass jeder essen soll, was er will. Meistens schon prophylaktisch, bevor ein Veganer überhaupt richtig Kritik geäußert hat.

Toleranz wird ja generell als etwas Gutes gesehen und der Begriff dementsprechend positiv verwendet. Und es klingt natürlich erst mal gut und tolerant wenn man den Standpunkt vertritt, dass jeder essen oder tun können soll, was er will. Nur ist das einfach nicht zu Ende gedacht. Das zeigt sich beispielsweise am sogenannten Toleranz-Paradoxon. Wenn man tolerant gegenüber Intoleranz ist, fördert man quasi die Intoleranz die man damit ja eigentlich kritisiert. Ob Toleranz etwas Gutes ist, hängt also ganz entscheidend davon ab, worauf sie sich bezieht.

Und auf den ersten Blick bezieht diese sich hier natürlich auf das Essen. Aber wenn Veganer Tierprodukte kritisieren, dann geht es nicht einfach um das was da auf dem Teller liegt sondern vor allem um das was es mal war -beziehungsweise darum, was getan werden muss um dieses Essen zu erzeugen.

Angelegenheiten sind schon per Definition Privatsache wenn sie PRIVAT sind, also Unbeteiligte nicht betreffen und beeinträchtigen. Das sind Dinge wie Musikgeschmack, die Frisur, die sexuelle Orientierung,  und so weiter.

Bei Tierprodukten ist das aber nicht der Fall. Nicht nur weil die Produktion tierischer Nahrungsmittel auch katastrophale Umweltauswirkungen, und damit Auswirkung auf alle Menschen hat -insbesondere auf die Ärmsten, sondern auch weil Tierprodukte nun mal aus Tier bestehen oder von Tieren genommen werden und man auch damit das Leben, die Freiheit und das Wohl fühlender Lebewesen beeinträchtigt.

Wenn man Tierprodukte konsumiert, widerspricht man also dem eigenen angeblichen Grundsatz mit dem man das rechtfertigen will. Denn als Tiere essender verursacht man eben genau, dass Tiere NICHT das tun können, was sie wollen. Sie können nicht frei sein, sie können nicht mit ihren Familien zusammen sein oder in sozialen Verbänden leben wie es ihren Bedürfnissen entspricht, Und vor allem können sie spätestens dann nicht mehr leben, wenn sie schlachtreif sind.

Nun sind für manche Menschen Tiere ja leider eher Dinge als Individuen. -zumindest die, die man essen will. Und wenn man sich nur auf das Essen  was aus ihnen gemacht wird, konzentriert, sieht man natürlich erst recht nur Objekte. Aber ein Tier ist eben nicht nur ein „etwas“. Im Gegensatz zu Pflanzen sind das Individuen mit Bewusstsein, Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Interessen.

Natürlich ist es in einer freiheitlichen Gesellschaft notwendig, keine unbegründeten Verbote oder Regulierungen zu erlassen. Aber die persönliche Freiheit kann nicht auf die Kosten der Freiheit anderer gehen. Diese Selbstbeschränkung der Freiheit haben diverse philosophische Lehren der Geschichte thematisiert, von den Stoikern bis zur Aufklärung. Auch der Existenzialismus hat betont, dass der Mensch „zur Freiheit verurteilt“ ist – und dass daraus notwendigerweise die Aufgabe erwächst, sich selbst vernünftige Regeln zu geben. Dass man die äußere Freiheit hat, etwas zu tun, heißt noch lange nicht, dass man guten Grund hat, sein Wollen in die Tat umzusetzen – oder dass dies auch eine verantwortungsvolle Handlung wäre.

Aber selbst wenn man sich die aktuelle Gesetzeslage ansieht, ist es eben NICHT so, dass jeder alles essen kann, was er will, und die meisten Menschen das auch gut finden. Natürlich könnte man jetzt dafür argumentieren, dass das aber so sein sollte und dass man konsequenterweise dann natürlich allen Tieren Gewalt antun dürfen muss und dass auch Delphinsteak, Katzengulasch, Hundeschnitzel und Babyrobbenragout für alle legal sein sollte. Das wäre dann an der Stelle zumindest konsequent. Aber die wenigsten werden diese Forderung wirklich so meinen. Oft sind mit diesem „was er will“ hauptsächlich die Tierarten gefordert, die man selbst essen will, weil das hier zufällig so Tradition ist.

Toleranz ist keine Einbahnstraße. Man kann nicht einfach einfordern, tun und lassen zu können, was man will, das aber das nur ausgewählten anderen zugestehen, und auch nur die Sachen die einen selbst nicht wirklich stören. Toleranz bedeutet so viel wie Erduldung und ist eigentlich nur dann eine Leistung, wenn sie  einem selbst etwas abverlangt. Zu akzeptieren, dass andere Menschen sich pflanzlich ernähren, erfüllt dieses Kriterium nicht wirklich. Anders sieht das aus, wenn man die eignen Privilegien teilen müsste, also sich beispielsweise von der speziesistischen Ansicht verabschieden muss, der einzigen Art anzugehören, der eine Bedeutsamkeit zusteht. Und wenn man überlegt, ob man andere Individuen als ethisch relevant erachtet, dann sollte man vor allem darüber nachdenken ob man sich auch auf der anderen Seite dieser Entscheidung wiederfinden können möchte. „Die gehören nicht zu uns“ oder „Das Recht des Stärkeren“ sind dabei Rechtfertigungen, die schon immer blutig und grausam endeten.

Die faire Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen aller Beteiligten ist hingegen etwas, das man nur schwer gegen einen selbst verwenden kann und das tatsächlich fair dafür sorgt, dass jeder machen kann, was er will -in einem Rahmen wo andere nicht darunter leiden müssen.